Kolumne – Die Schublade der Schande.
Dank seinem mittlerweile auf recht gutem Niveau liegendem Wissen, schreibt Andy Hostettler hier und dort, am meisten im Magazin Seesicht eine Kolumne über den schönsten Nebel der Welt: Hier zum Thema: Zuviel des Gleichen.
Die Schublade der Schande.
Es gibt diese Spezies Aficionado, die hat mehr Cutter als Zigarren.
Nicht, weil sie’s brauchen. Sondern weil zu Weihnachten, Geburtstagen gut gemeinte Liebe oft fantasielos schenkt. Oder weil man an jeder Hundsverlochätä einen 75 Rappen teuren Zigarrenschneider oder ein Billigstfeuerzeug kriegt. Übrigens alle vom gleichen Hersteller – mit wechselndem Logo.
„Ich wusste nicht, was ich dir schenken soll… also… ein Cutter!“
Zack. Schublade auf. Nummer zwölfundneunzig.
Dort liegen sie dann: V-Cut, Straight Cut, Bohrer in drei Grössen, Feuerzeuge für Sturm, Flaute und Weltuntergang, ein Cigarsaver (für die Zigarre, die nie gerettet wird) und natürlich das Zigarrenbänkchen. Weil man ja bekanntlich nie weiss, wohin mit einer Zigarre, ausser… äh… zwischen die Lippen oder die Finger.
Das Problem ist nicht die Auswahl. Das Problem ist die Illusion, man brauche das alles.
Spoiler: Tut man nicht.
Der Unterzeichnende – pragmatisch bis zur Schmerzgrenze – kommt mit genau zwei Dingen durchs Leben:
Ein Multifunktions-Cutter. Ein multitasking Feuerzeug.
Alles andere ist Zubehör für die Schublade. Oder für Gespräche, die mit „Schau mal, den hab ich auch noch…“ beginnen und selten gut enden.
Versteht mich nicht falsch: Ich liebe schöne Dinge. Aber ich liebe funktionierende Dinge mehr. Und vor allem: Dinge, die ich tatsächlich benutze. Und in allen Lebenslagen mitnehmen kann.
Also, liebe Schenkende dieser Welt:
Wenn ihr einem Aficionado eine Freude machen wollt – schenkt ihm Zigarren. Gute.
Oder Zeit. Noch besser.
Und wenn es unbedingt ein Gadget sein muss: Fragt vorher.
Sonst landet auch dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst… genau dort, wo schon elf andere liegen.
In der Schublade der Schande.
